Produkte, USt-Kategorien und KI-Klassifizierung
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Diese Seite erklärt, wie ein Produkt zu seinem Steuersatz kommt, was der KI-Lauf selbst entscheidet und wie Hinweise wie „Bio“ auf die Rechnung kommen. Dazu Gutscheine und Kurse vor Ort, die steuerlich eigene Regeln haben.
Die Grundregel: Jedes Produkt bekommt eine USt-Kategorie, und die Kategorie bestimmt über die Ländermatrix den Steuersatz je Lieferland. Der Satz hängt also nie direkt am Produkt, sondern an Kategorie plus Land.
- Kategorieaus dem Produkt
- Lieferlandaus der Bestellung
- Zelle in der MatrixSätze aus der EU-Datenbank TEDB, monatlich aktualisiert
Kategorien und Ländermatrix
Standard-Kategorien sind Standardsatz, Lebensmittel (ermäßigt) und digital. Weitere kannst du anlegen.
Unter Einstellungen → USt-Sätze pflegst du die Matrix Kategorie × Land. Die Sätze kommen aus der offiziellen EU-Datenbank (TEDB) und werden monatlich automatisch aktualisiert. Manuelle Überschreibungen bleiben erhalten.
Startwerte für alle EU-Länder
Beim Start sind die Sätze aller EU-Länder gesetzt, geladen aus der TEDB. Das gilt für jedes Konto, auch für ältere.
Leer bleibt eine Zelle nur, wenn die TEDB für die Kombination keinen eindeutigen Satz kennt, etwa bei ermäßigten Sätzen für Lebensmittel in einigen Ländern. Diese Zellen füllst du vor der ersten Bestellung dorthin.
Versteuerst du im Zielland (OSS registriert oder Verzicht), bietet der Rechnungskit-Checkout (Einzelkauf und Abo) ein EU-Land ohne Satz für das Produkt gar nicht erst an. Die Matrix zeigt an der leeren Zelle „im Checkout nicht wählbar“.
Wenn ein Satz fehlt
Fehlt für eine Kombination ein Satz, hält Rechnungskit betroffene Rechnungen an, statt falsch auszuweisen, und legt dir eine Aufgabe an. Die Aufgabe nennt den Satz, den dein Shop berechnet hat, und übernimmt ihn auf Klick in die Matrix. Danach werden die wartenden Belege erstellt.
Wenn Shop und Matrix abweichen
Berechnet dein Shop einen anderen Satz als die Matrix, fakturiert Rechnungskit nie stillschweigend mit seinem eigenen Satz. Was passiert, hängt davon ab, ob du den Matrix-Satz schon bestätigt hast:
| Matrix-Satz | Was mit dem Beleg passiert | Was du tust |
|---|---|---|
| noch nicht bestätigt (aus der TEDB übernommen) | Der Beleg wird angehalten. | Unter Zahlungen entscheiden: „Shop-Satz in die Matrix übernehmen“ oder „Matrix-Satz bestätigen“. Im zweiten Fall korrigierst du die Steuerklasse im Shop. |
| von dir bestätigt | Der Beleg trägt den Matrix-Satz. | Eine Aufgabe zeigt die Abweichung des Shops mit der Anzahl betroffener Belege. |
Was deine Bestellungen brauchen
Unter Einstellungen → Umsatzsteuer zeigt Rechnungskit oben, welche Kombinationen aus Kategorie und Lieferland deine Bestellungen der letzten 180 Tage tatsächlich brauchen. Du siehst, wo ein Satz fehlt oder abweicht, mit dem Satz deines Shops zum Übernehmen.
Ziellandsätze zählen nur, wenn du im Zielland versteuerst (OSS registriert oder Schwelle überschritten).
Steuersatz aus dem Shop bei unklassifizierten Produkten
„Steuerkategorie offen“ in der Produktliste heißt: Das Produkt hat noch keine Kategorie. Fakturiert wird trotzdem, und zwar mit dem Steuersatz, den dein Shop auf der Bestellposition berechnet hat.
Rechnungskit ordnet diesen Satz der passenden Kategorie zu (7 % → Lebensmittel, 19 % → Standard). Dein Shop-Steuersatz ist deine eigene Klassifizierung und wird nicht mehr durch den Standardsatz überschrieben. Die Rechnung stimmt dann mit dem Shop-Betrag überein. Im Verlauf der Rechnung steht, wenn der Satz aus dem Shop übernommen wurde.
Die Kategorie bleibt trotzdem unter Produkte zu bestätigen (Aufgabe „Steuer-Zuordnung prüfen“). Du brauchst sie für:
- Bestellungen ohne Shop-Steuerdaten,
- Ziellandsätze in andere EU-Länder, denn erst die bestätigte Kategorie liefert bei Auslandslieferungen (OSS) den richtigen Satz,
- die Erlöskonten im DATEV-Export.
Offene Aufgaben in der Produktliste
Oben auf der Produktliste bündelt die Box „Offene Aufgaben“ alle Produkte, die eine Entscheidung brauchen. Je Thema gibt es eine Zeile mit Anzahl und direkter Aktion:
- Umsatzrealisierung festlegen: bei Bilanzierung rot, weil sie dort die Rechnungserstellung blockiert. Mit KI-Vorschlag-Button.
- Offenes Detail zur Umsatzrealisierung: Lifetime-Behandlung oder, bei Bilanzierung, der Leistungszeitraum eines SaaS-Produkts.
- USt-Kategorie zuweisen: öffnet direkt die Mehrfachauswahl der betroffenen Produkte.
- Gutschein-Einstufung: Ein Guthaben-Produkt braucht „Einzweck“ oder „Mehrzweck“, sonst entsteht kein Beleg.
Die Zahl an der Box ist dieselbe wie im Menü an „Produkte“, am Filter „Zu prüfen“, auf dem Dashboard und bei Kit. Gezählt werden Produkte, mehrere Preise eines Produkts zählen einmal. Ein Produkt kann in mehreren Zeilen auftauchen, zählt aber nur einmal.
Darunter stehen als Hinweis ohne eigene Zahl: Vorschläge von Kit zur Umsatzrealisierung (ein Angebot, keine Aufgabe) und Steuersatz-Abweichungen zwischen Shop und Kategorie. Die Abweichungen zählen als Aufgabe unter Rechnungen.
Produktfamilien: mehrere Preise, eine Einstufung
Ein Produkt mit mehreren Preisen oder Varianten zeigt die Liste als eine Zeile, etwa „countX - Professional +5 Preise“. Gemeint sind die Preise eines Stripe-Produkts und die Varianten eines Shopify-Produkts. Ein Klick auf „+5 Preise“ klappt alle einzeln auf.
Stufst du einen Preis oder eine Variante ein, übernehmen die noch offenen Geschwister diese Einstufung: USt-Kategorie, Umsatzrealisierung, SaaS-Zeitraum und Art der Leistung. Sie tragen dann das Abzeichen „übernommen“. Was ein Geschwister schon hat, bleibt unverändert. Haben zwei Preise desselben Produkts verschiedene Kategorien, übernimmt keiner etwas, dann entscheidest du.
Der KI-Lauf
Neue Produkte aus dem Shop klassifiziert Rechnungskit mit KI-Unterstützung. Der KI-Lauf unter Produkte → Alle Produkte vergibt Vorschläge für USt-Kategorie, Umsatzrealisierung, einheitliche deutsche Namen und englische Übersetzungen.
Woher Vorschläge kommen
Rechnungskit fragt drei Quellen in dieser Reihenfolge:
- die Shop-Kategorie (Shopify-Taxonomie),
- sonst den Steuersatz, mit dem das Produkt zuletzt an deutsche Kunden verkauft wurde (7 % → Lebensmittel, 19 % → Standard),
- sonst den Hintergrund-KI-Lauf.
Mit „Übernehmen“ bestätigst du alle Vorschläge einer Kategorie auf einmal. Produkt-Tags wie „Bio“ sind Rechnungshinweise, keine Steuerkategorie.
Was der Hintergrund-Lauf selbst übernimmt
Neu eintreffende Produkte werden auch unbeaufsichtigt im Hintergrund klassifiziert, damit fehlende Angaben keine Rechnungen blockieren. Sichere Vorschläge werden automatisch übernommen, unsichere bleiben als Vorschlag stehen.
| Angabe | Im Hintergrund-Lauf |
|---|---|
| Umsatzrealisierung | automatisch ab 95 % Sicherheit |
| USt-Kategorie Standardsatz | automatisch |
| ermäßigte oder abweichende Kategorie (Lebensmittel, Bücher, digital) | bleibt Vorschlag, du bestätigst mit „Übernehmen“ |
So kann kein Hintergrund-Lauf den Steuersatz einer Rechnung nach unten setzen, ohne dass du es gesehen hast. Im Testmodus übernimmt der Lauf auch Lebensmittel, Bücher und digitale Leistungen selbst, weil dort keine echten Belege entstehen. Diese Einstufungen bestätigst du einmal beim Go-live. Startest du den KI-Lauf selbst unter Produkte → Alle Produkte, werden die Kategorien wie gewohnt mit KI-Abzeichen eingetragen.
Transparenz und Bestätigung
Was automatisch passiert, steht aufklappbar im Kopf der Produktliste unter „Was die KI automatisch macht“. Dort steht auch, dass ein KI-Modell in einem EU-Rechenzentrum die Einstufung erstellt (Art. 50 KI-VO) und dass sie keine Steuerberatung ist.
KI-Vorschläge tragen ein KI-Abzeichen und wollen von dir bestätigt werden. Was nur ein Mensch entscheiden kann, erscheint als eigene Zeile in der Box „Offene Aufgaben“ oben auf der Produktliste.
Tags und Rechnungshinweise (Kennzeichnungen)
Ein Produkt-Tag druckt eine Kennzeichnung auf die Rechnung, und zwar an zwei Stellen:
- An der betroffenen Zeile ein kurzes Kürzel, zum Beispiel „Bio“.
- Im Fußbereich den vollen Hinweistext mit vorangestelltem Label, etwa „Bio: Mit Bio gekennzeichnete Produkte sind nach DE-ÖKO-006 zertifiziert.“
Der Hinweis erscheint nur, wenn ein so gekennzeichnetes Produkt auf der Rechnung steht. Bestehende Rechnungen behalten ihren eingefrorenen Hinweis, eine Änderung wirkt nur auf künftige Rechnungen.
Tags pflegst du unter Produkte → Alle Produkte oder Einstellungen → Rechnungsvorlage. Du weist sie einzeln oder per Mehrfachauswahl vielen Produkten auf einmal zu.
Hinweistext je Rechnungssprache
Jeder Tag hat einen Hinweistext je Rechnungssprache: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Niederländisch. Gedruckt wird der Text in der Sprache der jeweiligen Rechnung. Fehlt er für diese Sprache, greift Rechnungskit auf den deutschen Text zurück.
Über den Sprachschalter im Tag-Editor pflegst du die Sprachen einzeln. Mit „KI-Übersetzung“ füllst du eine Sprache aus dem deutschen Text, Zertifizierungs-Codes bleiben dabei unverändert.
Zertifizierungen automatisch erkennen
Beim Import aus deinem Shop liest Rechnungskit die eigenen Produkt-Tags deines Shops mit (Shopify, WooCommerce und Shopware). Zusätzlich prüft es jeden Produktnamen, auch bei Produkten mit Shop-Tags.
Erkennt es eine bekannte Zertifizierung wie Bio, Fairtrade oder Vegan, schlägt es dir unter Produkte → Alle Produkte (und im Onboarding) vor: „12 Produkte tragen den Shop-Tag ‚bio‘, Rechnungshinweis anlegen?“
Im Namen zählt nur ein eigenständiges Wort. „Bio“ in „Bio Espresso“ oder „Bio-Kaffee“ löst den Vorschlag aus, zusammengesetzte Wörter wie „Bionade“ nicht.
- RechnungskitErkennt Bioam Shop-Tag oder als eigenes Wort im Produktnamen
- DuWählst die Automatikauch künftige Produkte mit Bio im Namen oder Tag zuweisen?
- RechnungskitLegt den Tag ansamt Hinweistext, und weist ihn den gelisteten Produkten zu
- DuBestätigst die Öko-NummerVorschlag aus deinem Impressum
Bestätigen in einem kurzen Dialog
- Du legst fest, ob auch künftige Produkte mit dieser Kennzeichnung im Namen oder Shop-Tag automatisch zugewiesen werden sollen. Das ist praktisch, wenn laufend Produkte dazukommen, etwa per API beim ersten Verkauf.
- Rechnungskit legt den Tag samt Hinweistext an und weist ihn zu. Der Dialog listet die betroffenen Produkte namentlich auf. So fällt ein Ausreißer auf (etwa ein Reiniger mit Bio im Namen), bevor du gruppenweise bestätigst.
- Bei Bio folgt als zweiter Schritt die Öko-Kontrollnummer (siehe unten).
- Danach springt die Produktliste direkt auf die frisch gekennzeichneten Produkte. Den Tag-Filter entfernst du jederzeit über das Filter-Kürzel.
Einzelne Tags entfernst du danach direkt am Produkt. Offene Vorschläge erscheinen zusätzlich als Aufgabe auf dem Dashboard und verschwinden von selbst, sobald du sie bestätigst.
Wichtig: Ein solcher Hinweis wird nie automatisch auf Rechnungen gedruckt, du bestätigst ihn immer selbst. Denn eine Bio- oder Fairtrade-Angabe auf der Rechnung ist rechtlich verbindlich.
Automatik ein- und ausschalten
Unter Produkte → Alle Produkte → „Tags verwalten“ trägt jeder erkannte Tag einen Schalter „Automatisch anwenden, wenn ‚Bio‘ im Produktnamen“ (mit dem jeweiligen Tag-Namen).
| Schalter | Wirkung |
|---|---|
| ein | Rechnungskit taggt künftige Produkte und sofort auch alle passenden Produkte, die du schon im Katalog hast. |
| aus | Nur die Automatik endet. Bereits getaggte Produkte behalten ihren Tag. |
Den Schalter gibt es nur für erkannte Zertifizierungen (Bio, Fairtrade, Vegan). Eigene Tags vergibst du von Hand. Unter Einstellungen → Rechnungsvorlage siehst du am Tag nur, ob die Automatik aktiv ist. Geschaltet wird sie im Katalog.
Bio: Öko-Kontrollstellen-Nummer
Für Bio-Produkte verlangt die EU-Öko-Verordnung (2018/848) die Nummer deiner Öko-Kontrollstelle auf der Rechnung, im Format DE-ÖKO-NNN.
Diese Nummer schreibst du direkt in den Bio-Hinweistext, so wie sie auf der Rechnung erscheinen soll. Ein eigenes Feld gibt es dafür nicht, die Nummer lebt allein im Hinweistext. Der vorbefüllte Bio-Text enthält als Erinnerung ein Muster („DE-ÖKO-000“), das du durch deine echte Nummer ersetzt.
Wichtig ist die Nummer deiner EIGENEN Kontrollstelle, sie steht in deinem Impressum. Die Nummer des Herstellers von der Produktverpackung gehört hier nicht hin.
So hilft Rechnungskit beim Eintragen
- Suche im Impressum: Beim Bestätigen des Bio-Vorschlags sucht Rechnungskit die Nummer in deinem Impressum (die hinterlegte Impressums-URL bzw. Website aus den Unternehmens-Einstellungen) und schlägt sie dir vor. Geschrieben wird sie erst, wenn du sie übernimmst.
- Keine oder mehrere Nummern gefunden: Dann trägst du sie selbst ein.
- Im Onboarding fragt Rechnungskit direkt nach der Bestätigung des Bio-Vorschlags nach der Nummer, mit dem Impressums-Fund zum Bestätigen oder Korrigieren.
- Platzhalter stehen geblieben: Bleibt DE-ÖKO-000 stehen, erinnert eine Aufgabe auf dem Dashboard daran, bevor er auf einer Rechnung landen könnte.
Gutscheine
Bei Gutschein-Produkten unterscheidet das Umsatzsteuerrecht zwei Arten (§ 3 Abs. 13 bis 15 UStG). Den Überblick über Gutscheine und Guthaben gibt Geschenkgutscheine und Guthaben.
| Einzweck-Gutschein | Mehrzweck-Gutschein | |
|---|---|---|
| Umsatzsteuer | entsteht sofort beim Verkauf | entsteht erst bei Einlösung, der Verkauf ist eine Verbindlichkeit |
| Steuersatz am Produkt | Pflicht | nicht nötig |
| Dokument beim Verkauf | normale Rechnungsposition mit Steuersatz | Kaufbeleg mit eigener Nummer (GS-2026-0001), ohne USt |
| Voraussetzung | Leistungsort und Steuersatz stehen für JEDE mögliche Einlösung fest | keine |
Einzweck-Gutschein
Der Steuersatz steht beim Verkauf fest, die USt entsteht sofort. Der Satz ist am Produkt Pflicht. Einzweck ist nur zulässig, wenn für JEDE mögliche Einlösung Leistungsort und Steuersatz feststehen. Beispiel: ein Shop, der ausschließlich 19-%-Ware nur nach Deutschland liefert.
Damit bleibt alles wie gewohnt: Der Gutschein ist schon beim Verkauf steuerbar und eine ganz normale Rechnungsposition mit Steuersatz. Es entsteht ein einziges Dokument.
Mehrzweck-Gutschein
Die USt entsteht erst bei Einlösung, der Verkauf ist eine Verbindlichkeit. Shopify-Geschenkgutscheine behandelt Rechnungskit immer als Mehrzweck, selbst wenn die Produkt-Klassifikation noch offen ist.
Der Verkaufsbeleg zeigt KEINE USt-Zeile (auch keine 0-%-Zeile) und verwendet keine Netto- oder Brutto-Begriffe. Er weist nur den Gutscheinbetrag aus, dazu den gedruckten Pflichthinweis „Nicht steuerbar: Verkauf eines Mehrzweck-Gutscheins (§ 3 Abs. 15 UStG). Umsatzsteuer fällt erst bei Einlösung an.“
Der Grund: Schon eine 0-%-Zeile oder Netto/Brutto-Wortlaut kann den missverständlichen Eindruck einer besteuerten Leistung erwecken. Einen unberechtigten Steuerausweis (§ 14c Abs. 2 UStG) sieht die Finanzverwaltung ohne besondere optische Anforderungen, sogar in einem erläuternden Hinweis (Abschn. 14c.2 Abs. 1 Satz 8 und 9 UStAE).
Kaufbeleg statt Rechnung
Weil der Verkauf eines Mehrzweck-Gutscheins nicht steuerbar ist, entsteht dafür keine Rechnung, sondern ein Kaufbeleg. Er trägt eine eigene Nummer aus einem eigenen Kreis (GS-2026-0001 statt RK-2026-0001), weist keine Umsatzsteuer aus und enthält keine E-Rechnungsdaten.
Beides zusammen, eine Rechnungsnummer und ein Steuerausweis, würde das Dokument rechtlich zur Rechnung machen. Eine Rechnung über einen nicht steuerbaren Vorgang will niemand ausstellen.
Ware und Gutschein in einer Bestellung
Kauft jemand in derselben Bestellung Ware UND einen Mehrzweck-Gutschein, bekommt er zwei Dokumente: eine Rechnung über die Ware mit ihrem Steuersatz und einen Kaufbeleg über den Gutschein.
Das ist keine Eigenheit von Rechnungskit, sondern folgt aus der Sache. Es sind zwei verschiedene Vorgänge, ein steuerbarer Umsatz und ein nicht steuerbarer Gutscheinverkauf. Auch die E-Rechnungsnorm EN 16931 lässt beides nicht in einem Beleg zu.
Beide Dokumente verweisen aufeinander, gehen gemeinsam in einer E-Mail an den Kunden und stehen zusammen zum Download bereit. Versandkosten landen dabei immer auf der Rechnung, denn versendet wird die Ware, nicht der Gutschein.
Keine USt-Kategorie nötig
„Guthaben oder Gutschein“-Produkte brauchen KEINE MwSt.-Kategorie. Die Kategorie bestimmt Steuersätze für steuerbare Verkäufe. Der Verkauf eines Mehrzweck-Gutscheins ist aber nicht steuerbar, und bei der Einlösung gelten die Sätze der tatsächlich gekauften Produkte. Der Einzweck-Gutschein nutzt seinen festen Satz aus der Einstufung.
Entscheidend ist allein die umsatzsteuerliche Leistungsart im Produkt (Einzweck- oder Mehrzweck-Gutschein). Eine fehlende Kategorie erzeugt bei Gutschein-Produkten keinen Prüf-Hinweis. Im Zweifel hilft deine Steuerkanzlei bei der Einstufung.
Viele Gutscheine auf einmal einstufen
In der Mehrfachauswahl der Produktliste erkennt Rechnungskit ausgewählte Guthaben- oder Gutschein-Produkte und bietet die Gutschein-Einstufung direkt an. Du hast zwei Wege:
- Eine Auswahl für alle: Mehrzweck, oder Einzweck mit festem Satz.
- „KI-Vorschlag je Gutschein“: Die KI schlägt für jedes Produkt Einzweck oder Mehrzweck mit Begründung vor. Du prüfst die Liste und übernimmst die Vorschläge mit einem Klick. Unsichere Fälle markiert die KI und lässt sie bewusst offen.
Nach dem Einstufen werden Belege, deren Steuerermittlung an der fehlenden Einstufung hing, automatisch neu angestoßen. Die Vorschläge sind keine Steuerberatung, im Zweifel entscheidet deine Steuerkanzlei.
Felder, die nur bei Bedarf erscheinen
Die Karte „Gutschein-Klassifikation“ erscheint im Produkt-Editor nur, wenn das Produkt gutschein-relevant ist:
- bereits als Einzweck oder Mehrzweck eingestuft,
- ein Shopify-Geschenkgutschein,
- Umsatzrealisierung „Guthaben oder Gutschein“,
- oder eine Gutschein-Leistungsart.
Bei allen anderen Produkten ist sie ausgeblendet. Ein Produkt machst du über die Umsatzrealisierung oder die umsatzsteuerliche Leistungsart zum Gutschein, danach erscheint die Karte.
Ähnlich kontextabhängig ist der SaaS-Abrechnungszeitraum. Er erscheint nur bei SaaS-Produkten mit Verkaufsart Einmalkauf (für pRAP bei Bilanzierung, auch per API-Feld service_period je Bestellung übersteuerbar). Bei Abo-Produkten gibt es das Feld nicht, denn dort trägt jede Abrechnung ihren Leistungszeitraum automatisch aus dem Abo-Plan.
Kurse, Seminare und Veranstaltungen vor Ort
Präsenzkurse sind zum Beispiel ein Barista-Kurs, ein Workshop oder ein Seminar, bei dem Teilnehmer persönlich vor Ort sind. Du klassifizierst sie so:
| Einstellung | Wert |
|---|---|
| USt-Kategorie | in der Regel Standardsatz (19 %) |
| Umsatzsteuerliche Leistungsart | „Veranstaltung / Kurs vor Ort (Inland)“ |
Steuerbefreiung nur für begünstigte Anbieter
Eine Steuerbefreiung als Bildungsleistung gilt nur für begünstigte Anbieter:
- Einrichtungen des öffentlichen Rechts, genehmigte Ersatzschulen und Einrichtungen mit einer Bescheinigung der Landesbehörde (§ 4 Nr. 21 UStG),
- Kurse bestimmter Träger wie Volkshochschulen (§ 4 Nr. 22 UStG).
Freizeit- und Hobbykurse gewerblicher Anbieter ohne solche Bescheinigung sind regulär steuerpflichtig. Im Zweifel entscheidet deine Steuerkanzlei.
Leistungsort ist der Veranstaltungsort
Der Leistungsort ist der Veranstaltungsort (§ 3a Abs. 3 Nr. 3 und Nr. 5 UStG). Findet der Kurs in Deutschland statt, gilt deutsche USt für ALLE Teilnehmer, auch für ausländische Privat- und Firmenkunden.
Es gibt kein Reverse Charge (auch nicht mit ausländischer USt-IdNr.) und kein OSS, weil der Ort nicht vom Wohnsitz des Teilnehmers abhängt. Ausnahme: Wird die Veranstaltung an Privatkunden per Streaming übertragen, gilt deren Wohnsitz (§ 3a Abs. 3 Nr. 3 Satz 2 UStG).
Findet ein Kurs im Ausland statt, ist er dort steuerbar und in Deutschland nicht. Diesen Fall bildet die Automatik nicht ab. Lass das Produkt dann unklassifiziert und kläre die Abrechnung mit deiner Steuerkanzlei oder dem Support.
Quellen: § 3 Abs. 13 bis 15 UStG, § 3a UStG, § 4 UStG, § 14c UStG, Abschn. 14c.2 UStAE
Grenzen, ehrlich benannt
- KI-Vorschläge sind Vorschläge, die steuerliche Verantwortung bleibt bei dir beziehungsweise deiner Steuerkanzlei.
- Preise aus dem Shop sind führend. Preisänderungen machst du im Shop, nicht in Rechnungskit (außer bei manuellen Produkten).
So findest du es in der App
Rechnungskit ist keine Steuerberatung und keine Rechtsberatung. Dieser Beitrag erklärt allgemeine Zusammenhänge und ersetzt weder die Beratung durch deine Steuerkanzlei (§ 5 StBerG) noch eine Rechtsberatung (§ 3 RDG). Rechnungskit richtet sich an in Deutschland ansässige Unternehmen und bereitet Belege, Steuersätze und Buchungen automatisch auf. Wie dein Einzelfall zu bewerten ist, entscheidest du, im Zweifel gemeinsam mit deiner Steuerkanzlei oder einer Anwaltskanzlei.